Spielzeit 2026

Mai 2026

© Julia Cimafiejeva

Alhierd Bacharevič

Am 07.05.2026 zu Gast im Literarischen Salon

Es ist ein düsteres, zugleich poetisches Werk, das der belarussische Autor Alhierd Bacharevič uns mit Europas Hunde geschenkt hat, ein wagemutiger, politischer Roman, der in seinem Heimatland verboten und dessen Verbreitung strafbar ist. Dafür hat er letztes Jahr in Leipzig den „Buchpreis zur Europäischen Verständigung“ bekommen. Denn leidenschaftlicher könne man von Europa und seinen Abgründen nicht erzählen, urteilte die Jury. Der Autor selbst sagt, es handele sich um einen antiimperialen Roman, aber es gehe vor allem auch um die Sprache der Macht und die Macht der Sprache. Die verspielte Wildheit, mit der der 1975 in Minsk geborene Autor uns durch eine Mischung aus Zukunftsvision, Politkrimi und Dystopie treibt, hat es zweifelsohne in sich. Navid Kermani und Guy Helminger freuen sich auf diesen visionären Ritt durch die Gegenwart – und fürchten zugleich, was da vor der Tür steht.


Donnerstag, 07.05.26, 20:00 Uhr
Karten unter: www.stadtgarten.de
VVK 18€ / erm. 10€; AK 22€ / erm. 12€

Moderation: Guy Helminger und Navid Kermani

Die weiteren Termine:

27.05.26 (Mittwoch!) - András Visky
Es gibt Neuerscheinungen, die werden so sehr bejubelt, dass man fast skeptisch wird. „Ein solches Buch habe ich noch nicht gelesen“, schrieb Herta Müller in der ZEIT über András Viskys Roman Die Aussiedlung: „Es ist eine Sensation.“ Und Péter Nadás meinte gar: „Ein Buch, wie es kaum jemals in einem Jahrhundert geschrieben wird.“ Und dann beginnt man mit der Lektüre und weiß schon nach wenigen Seiten: Tatsächlich, es ist nichts weniger als ein Jahrhundertbuch. András Visky, Jahrgang 1957, ist ein namhafter ungarischer Dramatiker und Regisseur. Mit 65 Jahren veröffentlichte er seinen ersten und einzigen Roman Die Aussiedlung, in dem er von seiner Kindheit in der ostrumänischen Verbannung erzählt, nachdem der Vater, ein Pastor, zu 22 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war. Die Familie richtet sich in Erdhöhlen und verlassenen Dörfern ein, der Willkür betrunkener Wärter ausgesetzt. Sippenhaft. „Ich merke mir alles und werde über alles schreiben, wenn die Zeit gekommen ist, sage ich zu unserer Mutter, um sie zu trösten, als ich sie beim Weinen ertappe, schreiben verwende ich als Synonym für rächen, ohne zu wissen, was ich sage.“


08.10.26 - Eva Menasse (lit.Cologne Spezial in der Kulturkirche Nippes)
Lange haben wir auf einen neuen Roman von Eva Menasse gewartet, die uns seit ihrem gefeierten Debüt „Vienna“ ein ums andere Mal mit Witz und Scharfsinn, literarischer Meisterschaft und unerbittlicher Menschenkenntnis hingerissen hat. Auch ihr bisher jüngster Roman “Dunkelblum”, erschienen 2015, war wieder ein Bestseller und wurde in viele Sprachen übersetzt. Doch zuletzt ist Menasse vor allem mit ihren klugen Einwürfen zu Meinungsfreiheit und Digitalität, Gaza und Antisemitismus hervorgetreten. Den PEN Berlin hat sie nebenher auch noch mitgegründet. Kaum eine andere public intellectual findet im deutschsprachen Raum heute so viel Beachtung wie die 1970 in Wien geborene Autorin, dabei hält sie sich von Twitter und Talkshows fern. Denn im Kern ist sie natürlich Literatin geblieben, ausgezeichnet unter anderem mit dem Böll-Preis, dem Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels und dem Hölderlin-Preis. Um so gespannter sind wir auf ihren neuen Roman: „Alleinruhelage“. Um eine Ehe geht es, die zerbrochen ist, aber eigentlich um eine Zwischenbilanz des Lebens, an dem wir hängen, auch wenn es keines seiner Versprechen hält.

17.12.26 - Ursula Krechel
2025 wurde Ursula Krechel endlich mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt, für ein Werk, das sich durch eine minutiöse Recherche, literarische Präzision und Poesie auszeichnet. Ihre romanästhetische Aufarbeitung von Exil, Flucht, Verfolgung, Feminismus, kurz, der harten Realität nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute, zeigt die 1947 in Trier geborene Autorin als eine höchst sensible Beobachterin dessen, was da schiefläuft. Nicht als Aktivistin, sondern als Sprachvirtuosin, setzt sie das Wort dort ein, wo Recht und Gerechtigkeit bedroht sind. Ihr Bestseller „Landgericht“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, erzählt das Leben eines deutsch-jüdischen Richters, der nach der Rückkehr aus dem Exil in die Bundesrepublik versucht, seine Würde wieder herzustellen – und daran zerbricht. Auch ihr jüngster Roman „Sehr geehrte Frau Ministerin“, der eine Art Kulturgeschichte aller Frauen ist, zeichnet sich durch den Widerstand der Figuren gegen die Gewalt aus, die ihnen angetan wird. Zuletzt hat sie mit dem Essay „Vom Herzasthma des Exils“ die Migrationsdebatte auf ein neues Niveau gehoben – „ein großer Wurf“, wie Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung schrieb. “Ich stemme mich mit meiner ganzen Arbeit dagegen, Vergessen zuzulassen“, sagte Ursula Krechel. Genau das wollen wir im Literarischen Salon auch.

Tickets für den Literarischen Salon im Stadtgarten: https://stadtgarten.ticket.io/
Tickets für die lit.Cologne: https://www.litcologne.de/